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Schutzwaldausscheidung GR 2012 abgeschlossen

Bei der Ausscheidung der Schutzwälder bestanden grosse Unterschiede zwischen den Kantonen. Im Jahre 2003 einigten sich Bund und Kantone, die Schutzwaldausscheidung nach harmonisierten, objektiven Kriterien vorzunehmen, um künftig eine gesamtschweizerische Ausscheidung von vergleichbare-rer Qualität zu haben. Diese objektiven Grundlagen sind unerlässlich für eine zielgerichtete und erfolgreiche Schutzwaldpolitik und dürften überdies hilfreich sein, den zukünftigen Mittelbedarf zu rechtferti-gen. Um diese Ziele zu erreichen wurde das Projekt SilvaProtect-CH (www.bafu.admin.ch/silvaprotect) gestartet.
In einer ersten Phase wurden über die ganze Schweiz die Naturgefahrenprozesse einheitlich modelliert und die modellierten Prozessräume mit dem Schadenpotential und dem Wald verknüpft. Daraus wurde ein Schutzwaldindexberechnet, welcher als Grundlage für eine objektive Verteilung der Bundesmittel für die Schutzwaldpflege bzw. für das NFA-Programm Schutzwald dient. In der zweiten Projektphase wurden zusammen mit den Kantonen harmonisierte Kriterien zur kantonalen Schutzwaldausscheidung erarbeitet und anschliessend in den Kantonen umgesetzt.
Die Firma tur gmbh wurde vom Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) beauftragt, die Schutz-waldausscheidung nach den harmonisierten Kriterien im Kanton Graubünden durchzuführen. Wir durften das AWN seit 2007 bei diversen Teilschritten von SilvaProtect-CH begleiten. Einen guten Überblick über das Vorgehen und die Resultate bieten der Artikel im Bündner Wald
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Wirkung von Steinschlagschutzwäldern 

Zur Erarbeitung von Grundlagen zur Beurteilung und Bewertung der Schutzwirkung von Wäldern startete das Bundesamt für Umwelt (BAFU) das Projekt Protect-Bio. Das PLANAT Projekte A3 „Wirkung von Schutzmassnahmen“ (PROTECT) definiert die Grundsätze und Vorgehensweise für die Beurteilung von Schutzmassnahmen. Ziel von Protect Bio ist die teilweise unvollständige und uneinheitliche Beurteilung des Schutzwaldes in PROTECT zu ergänzen und zu vereinheitlichen. Während sich PROTECT auf die Methodik zur Beurteilung von Schutzmassnahmen im Rahmen der Erstellung von Gefahrenkarten im Siedlungsgebiet beschränkt und daher hohe Anforderungen stellt, werden in Protect Bio die Betrachtungen auf die Risikoanalyse generell ausgeweitet.
Das Büro tur gmbh wurde mit der Ausarbeitung eines Fallbeispiels zur Massnahmenbeurteilung, Wirkungsbeurteilung und Massnahmenbewertung von Steinschlagschutzwäldern beauftragt. Die Wirkung des Waldes wurde mit dem Steinschlagmodell Rockyfor 3D (siehe Abb. 1,
http://www.ecorisq.org/de/products_de.htm): modelliert. Diese Resultate wurden verwendet um die Wir-kung des Waldes darzustellen und anhand des Risikos, bezüglich Direkttreffer durch Steinschlag auf der National- und Kantonsstrasse, zu quantifizieren. Die Analyse zeigte, dass der Wald in der Lage ist den grössten Teil der Steine zurückzuhalten. Einzelne Steine durchqueren jedoch beinahe ohne Baumtreffer und praktisch ungebremst den Waldbereich. Intensitäts- und Gefahrenkarten beruhen auf den maximalen Energien und Auslaufstrecken, welche durch Wald nur geringfügig reduziert werden. Deshalb reichen Gefahren- und Intensitätskarten als Grundlage für die Risikoanalyse nicht aus. Die Reduktion der Durchgangsfrequenz durch Wald (siehe Abb. 2) muss in die Risikobe-rechnung einfliessen, damit die Waldwirkung angemessen berücksichtigt werden kann.



Mai 2010: Gefahrenkarten im Mapservice des Kantons Graubünden

Seit neuestem sind die Gefahrenkarten für die Öffentlichkeit zugänglich. Die von Bund und Kanton finanzierten Gefahrenkarten sind auf dem Mapservice des Kantons Graubünden einsehbar. Es werden die Naturgefahrenprozesse Lawinen, Wasser, Steinschlag und Rutschung dargestellt. Ein Grossteil des Siedlungsgebietes ist beurteilt. Voraussichtlich werden die Gefahrenkarten für den Siedlungsbereich bis 2015 vollumfänglich digital verfügbar sein.
Die tur gmbh hat in diversen Gemeinden an der Erarbeitung dieser Gefahrenkarten mitgewirkt.


April 2010: Die tur gmbh ist Mitglied von ecorisQ

Die tur gmbh ist neu Mitglied der internationalen Vereinigung ecorisQ für Experten welche sich mit Sturz-, Rutsch- und Lawinengefahren sowie mit Schutzwaldfragen beschäftigen.
ecorisQ befasst sich mit der Interaktion zwischen Naturgefahren (Steinschlag, Felssturz, Lawinen, Rutschungen) und Wald. Die wichtigsten Ziele der Vereinigung sind die Förderung eines nachhaltigen und wenn möglich ökologischen Schutzes gegen Naturgefahren im Berggebiet sowie die Erhöhung der Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Naturgefahrenanalysen. ecorisQ umfasst Mitglieder aus den Bereichen Geologie, Geomorphologie, Forstwirtschaft, Naturgefahren, Risikoanalyse, Modellierung/Simulation und Geomatik.
Neben dem 3D Modell Rockyfor3D zur Berechnung von Trajektorien, Reichweiten und Kinematik von Stein- und Blockschlägen hat ecorisQ verschiedene Methoden zur Quantifizierung der Schutzwirkung des Waldes entwickelt (z.B. RockForNet).
Neben Naturgefahren- und Risikobeurteilung engagiert sich ecorisQ auch in waldbaulichen Projekten zur Verbesserung der Schutzfunktion von Wäldern auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Der internationale Austausch von Wissen und Erfahrungen wird mittels der Organisation von Tagungen/Exkursionen sowie durch diverse Veröffentlichungen gefördert.
Mit dem Beitritt zu ecorisQ stärkt die tur gmbh ihre Kernkompetenz in den Bereichen Naturgefahrenbeurteilung, Risikoanalyse, Schutzwaldbewirtschaftung und Massnahmenplanung. Neue, effiziente Tools ergänzen die bestehende Methodik und helfen bei der Beantwortung von praktischen Fragen. Mit Rockyfor3D können echte 3D-Modellierungen von Stein- und Blockschlag durchgeführt werden, welche wichtige Grundlagen für Risikoanalysen, Waldbau oder Bemessung von Schutzmassnahmen liefern.
Durch den Beitritt zu ecorisQ fördern wir auch den internationalen Austausch, pflegen Kontakte und stellen sicher, dass die neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis in unsere Arbeit einfliessen.

August 2009: Beta-Test 3D-Lawinenmodellierung RAMMS des SLF

Im Rahmen der Gefahrenkartierung Lawinen in einer Bündner Gemeinde testen unsere Gutachter das durch das Eidgenössische Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF) entwickelte 3D-Simulationsprogramm RAMMS. Als ausgewähltes Ingenieurbüro mit langjähriger Erfahrung in der Gefahrenbeurteilung Lawinen wendet die tur gmbh die Software RAMMS neben bewährten Methoden wie der 1D-Modellierung AVAL (SLF, 1999) an. Durch vergleichende Modellierungen, Validierung im Gelände und Verifizierung anhand von langjährigen Ereigniskatastern können wertvolle Aussagen bezüglich praktischer Anwendbarkeit und Güte der Resultate von RAMMS formuliert werden.
Während dieser ersten Evaluationsphase findet eine enge Zusammenarbeit mit den Softwareentwicklern und Lawinenexperten des SLF statt. In diesem Rahmen können wertvolle Erfahrungen ausgetauscht und neue Erkenntnisse zur dreidimensionalen Lawinenmodellierung gewonnen werden. Der Fokus der tur gmbh liegt dabei bei der praktischen Anwendung von RAMMS für Lawinen mit möglichst unterschiedlicher Gelände- und Prozesscharakteristik. Erfahrungen aus diesem konkreten Projekt helfen, um in Zusammenarbeit mit dem SLF und den kantonalen Stellen die Möglichkeiten von RAMMS im Rahmen der praktischen Gefahrenbeurteilung abzuschätzen. Damit kann die Beurteilungsmethodik von Lawinenprozessen noch weiter verbessert werden.

Juni 2008: Murgangereignis Höfjibach 11.6.2008, Davos

Bereits am 30. Mai 2008 löste sich aus einer grösseren Rutschungsmasse im Einzugsgebiet des Höfjibaches eine spontane Rutschung und führte zu einem Murgang im Gerinne. Der Murschub verursachte erste Schäden am Holzverbau und führte zu Ablagerungen auf dem unteren Kegelbereich. Aufgrund der geringen Kubaturen und dem Fehlen von Schwemmholz hat die Kapazität des Brückenquerschnitt gereicht.
Neue Niederschläge führten am 10./11.6.2008 zu einer weiteren Destabilisierung des bereits durch die Schneeschmelze wassergesättigten Rutschmaterials. Am Morgen des 11. Juni ging ein weiteres Rutschpaket ab und löste einen Murgang mit vergleichbarem Ausmass wie am 30. Mai aus. Wiederum reichte der Strassendurchlass der Flüelastrasse knapp aus. Der Murgang wies aufgrund des mehrheitlich feinkörnigen Materials eine hohe Fliessgeschwindigkeit auf und zeigte eindrückliche Kurvenüberhöhungen (Bild). Der Längsverbau aus Holz wurde durch starke Abrasion und Erosion aufgrund seitlichem Umfliessen beschädigt, auch die Blockmauer des Strassendurchlasses nahm Schaden. Aus der labilen Rutschmasse lösten sich in der Folge laufend weitere kleine Pakete und führten zu erneuten kleineren Murschüben.
Als erste Sofortmassnahme wurde die obere Höfjibrücke durch die Gemeinde Davos entfernt, um Ausbrüche zu verhindern.


 

Risikobasierte Schutzwaldunterteilung: Anhand der SilvaProtect-CH Daten wurde aus der Überlagerung der modellierten Prozessräume und dem Schadenpotential das Risiko berechnet. Dieses diente als Grundlage für die Unterteilung des Schutzwaldes. Typ A: Risko gross, Typ B: Risiko klein, Typ C: Risiko klein, Gerinne.

Link: Artikel Bünder Wald

Modellierung mit Rockyfor 3D: Ergebnisse einer Steinschlagsimulation berechnet auf digitalem Terrainmodell. Rot: hohe Wahrscheinlichkeit von Steinschlag (Ausbruchgebiet), grün: geringe Wahrscheinlichkeit von Steinschlag.

 

Reduktion der Durchgangs-frequenzen durch Wald:
Reduktion der Durchgangsfrequenz durch "gepflegten Wald" in Prozent zur Durchgangsfrequenz "ohne" für das häufige Szenario.

Link: Bericht zum downloaden (20 MB)
 
Link: Gefahrenkarten Mapserver GR
 
Modellierung mit Rockyfor3D (Bild: R. Kühne)
Modellierung mit Rockyfor3D (Bild: R. Kühne).
Steinschlagschutzbauten entlang von Verkehrsträger (Bild R. Kühne).
 
Maximale Druckwerte einer 3D-Lawinenmodellierung mit RAMMS (SLF, 2009) dargestellt im Geländemodell von GoogleEarth (Bild: tur gmbh)
Ergebnisse der Lawinenmodellierung können anhand von realen Ereignissen verifiziert werden (Foto: tur gmbh)
 
Downloads:

Murgangereignis 1 Höfjibach 11.6.08 (25 MB)

Murgangereignis 2 Höfjibach 11.6.08 (50 MB)

Sperrenverbau mit Spuren des Murganges (Foto: tur gmbh)
Brücke Flüela-Passstrasse mit Spuren des Murganges (Foto: tur gmbh)